Besseres Wirtschaftswachstum kann Klimaschutzlücke schließen

Berlin/Washington/London: Ein neuer Bericht der Global Commission on the Economy and Climate stellt zehn wirtschaftlich sinnvolle Klimaschutzpfade vor, mit denen sich 96 Prozent der Treibhausgasminderungen erreichen lassen, die zur Vermeidung der gefährlichsten Folgen des Klimawandels notwendig sind. Der Bericht „Seizing the Global Opportunity: Partnerships for Better Growth and a Better Climate“, verfasst von einer Kommission unter Vorsitz des ehemaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón und des Ökonomen Lord Nicholas Stern, fordert Regierungen, Unternehmen, Investoren und Städte auf, bei klimafreundlichem Wachstum stärker auf Kooperation zu setzen.

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Im September 2014 hatte die Global Commission den viel beachteten Bericht „Besseres Wachstum, besseres Klima“ veröffentlicht. „Der erste New-Climate-Economy-Bericht hat gezeigt, dass wir erfolgreich sein können: Wir können Wirtschaftswachstum erreichen und gleichzeitig die gefährliche Klimaschutzlücke schließen“, sagte der Kommissions-Vorsitzende Felipe Calderón. „Der jetzt erschienene Report zeigt: Das lange Zeit so fern erscheinende Ziel liegt in Reichweite. Wir können weltweit Wohlstand erzeugen und gleichzeitig auf einen sicheren Klimapfad einschwenken. Die klimafreundliche Wirtschaft entsteht bereits rund um uns herum. Regierungen, Städte, Unternehmen und Investoren müssen aber viel enger zusammen arbeiten, um von diesen Entwicklungen zu profitieren. Wir dürfen uns diese Chance nicht entgehen lassen.“

Der neue New-Climate-Economy-Report zeigt, dass globale Trends wie der dramatische Preisrückgang bei sauberen Energien, die Volatilität des Ölpreises und die Zunahme von Regeln zur Einpreisung von CO2 weltweit ein Momentum für den Übergang zu einer klimafreundlichen dWirtschaftsweise erzeugen.

„Immer mehr Staaten verpflichten sich dazu, Klimaschutz in ihre wirtschaftspolitischen Strategien zu integrieren. Dazu gehört die Botschaft des G7-Gipfels, dass wir bis Ende des Jahrhunderts die Weltwirtschaft dekarbonisieren müssen, genauso wie die Entwicklung von klimafreundlichen und klimawandelresistenten Wachstumsstrategien in Entwicklungs- und Schwellenländern“, kommentiert Lord Nicholas Stern, Chefökonom und Co-Vorsitzender der Kommission. „Starkes Wirtschaftswachstum, das zugleich klimafreundlich ist, wird zunehmend zur Normalität.“

“Mehr Kooperation zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren kann für die Finanzierung des Übergangs hin zu klimafreundlichen Volkswirtschaften weltweit eine große Rolle spielen“, erklärt Caio Koch-Weser, Vice Chairman der Deutschen Bank und Aufsichtsratsvorsitzender der European Climate Foundation.  „Die Kapitalkosten für den Ausbau Erneuerbarer Energien sind vielerorts nach wie vor hoch. Hätten diese Projekte Zugang zu günstigeren, langfristigen Kapitalquellen, die ihre Risiken und ihr Ertragsprofil adäquat widerspiegeln, könnten die Finanzierungskosten in Entwicklungsländern bis zu 20% und in Industrieländern bis zu 30% sinken. Dazu müssen nationale Regierungen, Entwicklungsbanken, Akteure wie Staatsfonds und Investoren aus dem Privatsektor sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene stärker zusammen arbeiten und bereits bestehende Initiativen ausbauen, um das Risikoprofil von Investitionen in Erneuerbare Energien zu verbessern.“

Der neue New-Climate-Economy-Bericht zeigt auch, dass Unternehmen weltweit einen Markt für klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen im Umfang von bereits 5,5 Billionen US Dollar geschaffen haben, der jedes Jahr um 3 Prozent wächst. Die Kommission ruft dazu auf, durch neue Unternehmenskooperationen weitere Märkte zu erschließen, Kosten zu reduzieren und so Sorgen vor negativen Auswirkungen von Klimaschutz auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit entgegenzutreten.

„Viele Unternehmen bereiten sich bereits auf eine Zukunft mit weniger Emissionen vor, und sind damit in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus“, erklärt Paul Polman, Vorstandsvorsitzender von Unilever. „Ein Beispiel: Firmen, die 90 Prozent des weltweiten Palmöl-Handels ausmachen – einschließlich unseres Unternehmens – haben sich verpflichtet, bis 2020 dafür zu sorgen, dass ihre gesamten Lieferketten nicht mehr zu Entwaldung beitragen.“

Mit der Umsetzung der Empfehlungen des Berichtes ließen sich aus Sicht der Kommission auch die nationalen Klimaschutzbeiträge für das in Paris Ende dieses Jahres angestrebte Klimaschutzabkommen steigern. Viele Staaten haben ihre Klimaschutzvorhaben, die sog.  beabsichtigten, national festgelegten Beiträge (intended nationally determined contributions, kurz: INDC) bereits beim Klimasekretariat der Vereinten Nationen vorgelegt. Die Klimaschutzbeiträge sollten das Minimum, nicht das Maximum der nationalen Klimaschutzziele darstellen, fordert die Kommission.

„Es ist uns bewusst, dass die bisher eingereichten nationalen Klimaschutzbeiträge uns nicht innerhalb des 2°C-Limit halten werden, das wir auf keinen Fall überschreiten sollten. Unser Bericht zeigt aber, dass es erheblichen Spielraum für mehr Klimaschutzanstrengungen gibt, die im Einklang mit den wirtschaftlichen Eigeninteressen der Länder sind“, erklärt Michael Jacobs, Direktor des neuen New-Climate-Economy-Berichtes. „Deshalb ist es von fundamentaler Bedeutung, dass das Pariser Klimaschutzabkommen einen Prozess auf den Weg bringt, mit dem die nationalen Klimaschutzbeiträge regelmäßig nach oben angepasst werden können, um das Langfristziel einer nahezu emissionsfreien Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu erreichen.“

„Dieser Report unterstreicht, dass die Staaten jetzt die große Chance haben, ihre Klimaschutzambitionen auszuweiten und damit gleichzeitig Wachstum und Entwicklung voranzutreiben“, erklärt Helen Mountford, Global Programme Director der New Climate Economy. „Die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen hat bereits begonnen: Das vergangene Jahr war das erste, in dem die Emissionen trotz Wachstum global konstant geblieben sind. Aber dieser Wandel muss schneller voranschreiten, wenn wir unsere Entwicklungsziele einhalten und zugleich die Klimarisiken reduzieren wollen.“